Skull Party 1 von Melanie Schober

Titelbild von Skull Party 1
Cover ©2013 by Carlsen Verlag/ Melanie Schober
Die österreichische Mangazeichnerin Melanie Schober zeichnet in ihrem neusten Werk Skull Party das düstere Bild einer nahen Zukunft: Die Gier vorangegangener Generationen hat den Planeten zerstört, die Umwelt ist verpestet, die Polkappen abgeschmolzen und in den überfluteten Städten herrscht eine Oligarchie, die kein abweichendes Verhalten duldet und die Bürger mit Drogen und leichter Unterhaltung ruhigstellt.
Aus diesem Leben im dumpfen Gleichklang will der Teenager Emil Schwarz ausbrechen, er bleibt dem Erziehungsinstitut fern, und wird bald von Killern gejagt, als er auf ein Geheimnis stößt, das den Bestand der Diktatur gefährden könnte.
In Skull Party 1 beginnt eine Geschichte, die für ein etwas älteres Publikum bestimmt ist als der Großteil der in Deutschland publizierten Manga. Es ist ein Thriller, der sich an ältere Jugendliche und Erwachsene richtet und den Vergleich mit anderen „erwachsenen“ Manga-Thrillern wie Osamu Tezukas Kirihito oder Urasawa Naokis Monster nicht scheuen muss. Auch das Erscheinungsbild des Bandes setzt sich klar von üblichen Mangaproduktionen ab: Das Titelbild ist auf den ersten Blick nicht als Mangatitelbild erkennbar, könnte ebenso gut für einen Kriminal- oder Horrorroman bestimmt sein. Und anders als die meisten Manga ist Skull Party in westlicher Leserichtung gezeichnet, was mit der Leserichtung der deutschen Sprache in den Textblöcken übereinstimmt und den Lesegewohnheiten eines etwas älteren Publikums entgegenkommt.
Die Geschichte hat mich geradezu reingesogen, da sich die Erzählung ganz auf die Hauptfigur konzentriert – mit wenigen Ausnahmen erleben wir die ganze Handlung aus der Sicht von Emil Schwarz. Er und auch die Nebenfiguren werden sehr fein durch ihre Handlungen und Aussagen charakterisiert, so dass man gleich ein Gefühl für sie bekommt, als würde man sie ewig kennen. Zudem geht die Prämisse dieser Zukunftswelt von Tendenzen aus, die in unserer Gegenwart zu beobachten sind, vor allem dass Außenseitertum als Krankheit definiert und folglich pharmakologisch behandelt wird (man denke nur an den jährlich steigenden Ritalinverbrauch). Man hat als Leser das Gefühl, wenn wir es nicht bald auf die Reihe kriegen, könnte die nahe Zukunft tatsächlich so ähnlich aussehen, und kaum hat man diese Zukunftswelt als glaubhaft akzeptiert, nimmt man auch mutierte Insekten und Zombiehorror mit, da die phantastischen Elemente so raffiniert in die wahrscheinlichen eingebettet sind.
Hier beginnt ein spannender Thriller, und niemand legt einen spannenden Thriller nach dem ersten Viertel gern aus der Hand, aber die Leser müssen das jetzt mal die nächsten Monate tun, denn der zweite Band soll im Dezember erscheinen und die ganze (erste) Geschichte ist auf vier Bände angelegt. Da bleibt am Ende des ersten Bandes einiges offen, zumal die Handlung an einem Spannungshöhepunkt abbricht, und man ist gespannt, wie sich das weiter entfalten soll, was es mit den geheimnisvollen Kristallschädeln und einer mysteriösen Gestalt mit Vogelmaske auf sich hat, die in Emils Träumen erscheint. Fazit: Anspruchsvolle Manga-Unterhaltung mit Tiefgang und Spannung pur.

Gigi, Forest und Steranko zeichnen ein Gemeinschaftsbild


Robert Gigi, Zeichner von Scarlet Dream, Jean-Claude Forest, der Schöpfer, Autor und Zeichner von Barbarella und der Amerikaner Jim Steranko (Nick Fury, Captain America) – Anfang der 70er Jahre im französischen Fernsehen. Zusammen zeichnen sie auf einem großen Papier – es entsteht ein seltsames, phantastisches Bild. Die Handschrift jedes einzelnen Künstlers bleibt klar erkennbar, trotzdem bildet sich ein harmonisches Ganzes. Es erinnert mich an das surrealistische Verfahren Cadavre Exquis. Schade, dass sich dieses Sendungsformat nicht durchgesetzt hat!

programmatischer Text

zur Veröffentlichung einiger ausgewählter Science-Fiction-Illustrationen auf der englischsprachigen Seite evatronica.com:
Illustrating science fiction and fantasy stories allows me to give substance to one of my favourite subjects: the fantastic. To show something that previously has never been seen, that does not exist in the so-called reality, but could be imagined. A picture makes it easier to imagine. In this sense, my illustrations are windows to fantastic worlds, or rather doors for the fantastic to enter.

Runch! in Wien

Wer den Comicshop Runch! in der Kaiserstrasse 5 betritt, findet sich in einem Wunderland populärkultureller Sammelgebiete wieder, das weit über den Comic- und Mangabereich hinausgeht. Figuren und Fanartikel zu Filmen, Fernsehserien und Videospielen und ein umfassendes Angebot an amerikanischen Comics und Manga werden hier in einer Dichte und Üppigkeit dargeboten, dass sensible  Naturen schon mal die Platzangst kriegen könnten.

Suchbild: Finde die Verkäuferin!

Suchbild: Finde die Verkäuferin!

Bart Simpson hängt in Lebensgröße von der Decke, die Hauptcharaktere der Star-Wars-Saga stehen in mehreren Versionen bereit, Super Mario und den Elf Link aus Zelda gibts als Plüschfiguren, fast jeder amerikanische Superheld hängt als originalverpackte Actionfigur in den Displays. Doch halt! In diesem Comicshop gibts tatsächlich auch Comics!

Von den US-Comics gibts Graphic Novels und Paperbacks in den amerikanischen Originalausgaben, und zwar nicht nur die gängigen Serien der Großverlage sondern auch jede Menge Independent, Underground und Horror-Comics bis hin zu den obskursten Nischenprodukten sowie natürlich die aktuellen deutschen Übersetzungen. (Comichefte sieht man nur wenige, aber wer liest eigentlich noch Hefte?) Manga liegen auf deutsch und englisch vor, dazu gibts direkt importierte Artbooks aus den USA und Japan und eine ordentliche Auswahl an Anime-DVDs. How-to-draw-Manga-Bücher auf englich und deutsch füllen ein komplettes Regal in Bodennähe.

Das How-to-draw-Manga-Regal

Das How-to-draw-Manga-Regal

Das alles kann man nicht nur in der Kaiserstrasse kaufen sondern auch online, über die Website www.runchcomics.at. Dort stehen auch die Öffnungszeiten und mehr (und bessere ;-)) Fotos als hier.

Der Runch! ist eine Fundgrube für Kenner, Sammler und Fans, die durch das Überangebot an Figuren und Merchandising-Ware ihr eigenes Flair und eine gewisse klaustrophobe Atmosphäre hat. Hier kann ich stundenlang auf Entdeckungsreisen gehen und wenn  ich das Gesuchte nicht gleich finde, werde ich vom Verkaufspersonal – meistens ist das Nina – freundlich und kompetent beraten. Nina bezeichnet den Shop übrigens als „eine Explosion der Absonderlichkeiten“ und das finde ich sehr treffend.

„Manga Zeichenkurs“ von Toriyama und Sakuma

Akira Toriyama, Schöpfer der Manga-Serien Dragonball und Dr. Slump,hat ein Manga über das Manga-Zeichnen gemacht! Als Beispiele dienen die Figuren aus Dr. Slump, und genau wie diese Comedy-Serie ist auch Manga Zeichenkurs stellenweise zum Brüllen komisch, wenn Toriyama in Gestalt einer vermummten Mangafigur erklärt, worauf es beim Manga-Zeichnen ankommt: Auf gut konstruierte Figuren und eine gut geplante Geschichte. Die Figuren sollen kontrastreich angelegt sein, jeweils eigene Lieblingsphrasen und vor allem Schwachpunkte haben, denn perfekte Figuren sind langweilig. Toriyama erklärt kurz, präzise und humorvoll, wie man mit den Zeichenwerkzeugen umgeht,  (das sind vor allem Bleistift und Feder, das Buch wurde 1984 geschrieben, daher geht es ausschließlich um traditionelle Zeichentechniken ohne Computer) und gibt Tipps zu Format, Seiteneinteilung und Perspektive. Abschließend zeigt er eine Reihe von Manga-Seiten von Anfängern, demonstriert typische Anfänger-Fehler und erklärt, wie man sie vermeidet.


Dieses Buch kann ich angehenden Manga-ZeichnerInnen uneingeschränkt empfehlen, vor allem dann, wenn sie Cartoon-Manga, also lustige Geschichten machen wollen.

24-Stunden-Comic gegen Rechts

Am Wochenende vom 8./9. Mai habe ich am 24-Stunden-Comiczeichnen für Comics gegen Rechts teilgenommen und wurde zu Beginn und am Ende der Aktion von der FALTER-Journalistin Ingrid Brodnig interviewt. Im publizierten Artikel (FALTER Nr. 19/10, Seite 25) komme ich tatsächlich recht prominent vor. Natürlich haben sich im Artikel auch kleine Fehler eingeschlichen: Ich bin schon 51 Jahre alt und nicht 47, und ich habe meine 24-seitige Story fertig gekriegt, allerdings grösstenteils nur in Bleistift, und die letzten 3 Seiten wohl erst nachdem mich Ingrid Brodnig interviewt hat. Die Bezeichnung „durchgeknallter Comicfan“, mit der ich und die anderen TeilnehmerInnen bezeichnet werden, nehme ich hingegen dankbar an 😉
Die Vernissage am 11. Mai war gut besucht, die Grünpolitiker Klaus Werner Lobo und David Ellensohn gratulierten mir zu meinem „sehr bösen“ Comic, angeblich soll auch die Chefin der Wiener Grünen, Maria Vassilakou , sehr darüber gelacht haben.
Mein Comic wird demnächst auf www.comicgegenrechts.at erscheinen.
Den FALTER-Artikel habe ich hier hochgeladen.

Comic-Seminar Erlangen

Gerade habe ich Paul Derouets Ankündigung des 25. Comic-Seminars in Erlangen erhalten. Ich erinnere mich gut, wie ich 1988 am 3. Comic-Seminar teilgenommen habe. Damals waren Chris Scheuer und Gerald Gorridge die Trainer (und Paul selbst natürlich auch). Dieses Jahr sind es Uli Oesterle und Markus Huber. Das Comic-Seminar bietet die Möglichkeit, mit anderen Zeichnern aus dem deutschsprachigen Raum eine Woche lang auf hohem Niveau an seinen Fähigkeiten als Comiczeichner zu arbeiten. Hier ist Pauls Ankündigung:
Hallo liebe Zeichner, Kollegen und Freunde,

Ihr kennt wohl inzwischen diese Ankündigung, sie kommt zum 25. Mal.

1986 fand das erste Comic-Seminar statt, das eigentlich einmalig bleiben sollte. Und ein Vierteljahrhundert später ist es immer noch da und macht immer noch so viel Spaß.

Wer daran teilnehmen möchte, hat bis zum 10. April Zeit, um sich zu bewerben.

Wer es unterstützen möchte, sollte in seinem Umfeld davon erzählen, diese Ankündigung weiter schicken oder sie auf seiner Homepage bekannt machen.

Alle Infos zu dem diesjährigen COMIC-SEMINAR ERLANGEN findet Ihr auf: www.comicseminar.de

Allen vielen Dank und herzliche Grüße

Paul Derouet

Contours · Paul Derouet
Ostfrieslandstraße 37
D-21129 Hamburg
Tel.: +49.(0)40.23809012
Mobil: +49.(0)1782843439
www.contours-art.de
www.comicseminar.de