Archiv der Kategorie: Comics

99 Ways to Tell a Story – Exercises in Style

Buchcover Matt Madden 99 Ways to tell a Story
99 Ways to tell a Story
Inspiriert von Raymond Queneaus Stilübungen spielt Autor/Zeichner Matt Madden mit den Gestaltungsmitteln des Comic: Auf jeder Seite wird dieselbe alltägliche banale Sequenz variiert und neu erzählt: Mit anderen erzählerischen Optionen (Rückblende, innerer Monolog, etc.), mit anderen graphischen Ausdrucksmitteln (horizontale Panels, vertikale Panels, nur mit Konturlinien, ohne Konturen, etc.), in verschiedenen Genres (Kriegscomics, Liebescomics, Fantasy, etc.), in unterschiedlichen Stilrichtungen (Manga, ligne clair, Underground, etc.), den Stilen einzelner Künstler nachempfunden (Winsor McCay, Jack Kirby und andere). Nicht alles scheint dabei geglückt. Etwa wenn Sprechblasen als Objekte im Raum behandelt werden, ohne dass das durch die Stilvorgabe erforderlich wäre. Und natürlich ist bei 99 Variationen auch mancher Unfug dabei. Doch wer sich als Leserin oder Leser auf dieses Experiment einläßt, ist gefordert nachzuspüren, wie eine jede stilistische Variation wirkt, wie sie das lesende Bewusstsein beeinflußt. Das ist eine sehr spannende Erfahrung, und wenn man sich selbst mit dem Zeichnen von Comics oder Manga beschäftigt, durchaus instruktiv. Und stellenweise sehr witzig, denn in den Genrevariationen werden die Standards der jeweiligen Richtung bis ins Parodistische getrieben, was mich besonders bei der Fantasyseite und der EC-Comicseite (Exorcise in Style) zum Lachen gebracht hat. Insgesamt bietet 99 Ways to tell a Story – Exercises in Style eine einzigartige Leseerfahrung, die ich allen empfehlen kann, die sich für das Erzählen mit Bildern interessieren.

Joe Kubert spricht über seine Arbeitsweise

Joe Kubert, einer der einflussreichsten Zeichner in der Geschichte der amerikanischen Comics hat bereits in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts Comics gezeichnet und veröffentlicht und war bis kurz vor seinem Tod am 12. August 2012 aktiv. Seine Arbeiten im Kriegs- und Westerngenre, seine Tarzan-Interpretation und unzählige Covers insbesondere für DC-Comics sind legendär. 1976 gründete er die Joe Kubert School of Cartoon and Graphic Art, wo spätere Profis wie Matt Hollingsworth, Stephen Bissette, Rick Veitch oder Amanda Conner ihr Handwerk lernten. Kuberts Zeichenbuch Superheroes – Joe Kuberts wonderful world of Comics zählt zu den besten Referenzen für das Superheldengenre.

In diesem kurzen Youtube-Interview erklärt Joe Kubert seinen Arbeitsprozess.

Er betont, dass es die wichtigste Aufgabe des Cartoonisten ist, eine Geschichte zu erzählen: Wer die schönsten Bilder zeichnet, die aber die Geschichte nicht voranbringen, hat seine Aufgabe verfehlt. In seinem Arbeitsprozess konzentriert sich Kubert zunächst auf die Geschichte und schreibt sie nieder, erst dann beginnt er die Seiten zu skizzieren, wobei jedes Bild einen Storypunkt rüberbringen muss: Ein Bild-eine Handlung. In der Layout-Phase arrangiert er die Bilder oftmals um, um der Geschichte den Raum zu geben, den sie braucht. Das Lettering ist ein wesentlicher Teil der Komposition. Daher gehört es zu den Aufgaben des Zeichners, zu bestimmen, wo die Texte hinkommen, auch wenn er sie nicht mehr händisch hineinschreibt sondern digital einfügt.
Auf Youtube und anderswo im Netz kann man weitere Videos mit Kubert finden. Ich finde es schön, dass uns damit neben der gigantischen Hinterlassenschaft an wunderbaren Comics auch persönliche Aussagen dieses großen Comic-Künstlers erhalten bleiben.

Comics sind Kunst!

Zu Beginn des Internationalen Literaturfestivals Berlin haben zahlreiche Künstler, Verleger und Kulturveranstalter am Montag ein Comic-Manifest veröffentlicht. Darin fordern sie, dass das Comic-Medium als eingenständige, der Literatur und dem Film gleichwertige Kunstform anerkannt wird, Comicschaffende dementsprechend staatlich gefördert werden und ein Deutsches Comicinstitut eingerichtet wird. Das Börsenblatt und der Tagesspiegel berichteten darüber. Hier der Originaltext des Manifests: ilb13.ComicManifest
Dass dieses Manifest überhaupt nötig ist, weist auf das ungeheure Versagen der Kulturpolitik hin, die nach wie vor zwischen „guten“ (=förderungswürdigen) und „schlechten“ Kuunstformen unterscheidet.

Runch! in Wien

Wer den Comicshop Runch! in der Kaiserstrasse 5 betritt, findet sich in einem Wunderland populärkultureller Sammelgebiete wieder, das weit über den Comic- und Mangabereich hinausgeht. Figuren und Fanartikel zu Filmen, Fernsehserien und Videospielen und ein umfassendes Angebot an amerikanischen Comics und Manga werden hier in einer Dichte und Üppigkeit dargeboten, dass sensible  Naturen schon mal die Platzangst kriegen könnten.

Suchbild: Finde die Verkäuferin!

Suchbild: Finde die Verkäuferin!

Bart Simpson hängt in Lebensgröße von der Decke, die Hauptcharaktere der Star-Wars-Saga stehen in mehreren Versionen bereit, Super Mario und den Elf Link aus Zelda gibts als Plüschfiguren, fast jeder amerikanische Superheld hängt als originalverpackte Actionfigur in den Displays. Doch halt! In diesem Comicshop gibts tatsächlich auch Comics!

Von den US-Comics gibts Graphic Novels und Paperbacks in den amerikanischen Originalausgaben, und zwar nicht nur die gängigen Serien der Großverlage sondern auch jede Menge Independent, Underground und Horror-Comics bis hin zu den obskursten Nischenprodukten sowie natürlich die aktuellen deutschen Übersetzungen. (Comichefte sieht man nur wenige, aber wer liest eigentlich noch Hefte?) Manga liegen auf deutsch und englisch vor, dazu gibts direkt importierte Artbooks aus den USA und Japan und eine ordentliche Auswahl an Anime-DVDs. How-to-draw-Manga-Bücher auf englich und deutsch füllen ein komplettes Regal in Bodennähe.

Das How-to-draw-Manga-Regal

Das How-to-draw-Manga-Regal

Das alles kann man nicht nur in der Kaiserstrasse kaufen sondern auch online, über die Website www.runchcomics.at. Dort stehen auch die Öffnungszeiten und mehr (und bessere ;-)) Fotos als hier.

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Sale: Manga ab 3 Euro

Wenn man im Runch! etwas mehr Zeit hat, sollte man jedenfalls auch ins Obergeschoss gehen, wo man T-Shirts, Poster, noch mehr Anime-DVDs und Abverkaufsware aller Art findet (Manga ab 3 Euro!)

Der Runch! ist eine Fundgrube für Kenner, Sammler und Fans, die durch das Überangebot an Figuren und Merchandising-Ware ihr eigenes Flair und eine gewisse klaustrophobe Atmosphäre hat. Hier kann ich stundenlang auf Entdeckungsreisen gehen und wenn  ich das Gesuchte nicht gleich finde, werde ich vom Verkaufspersonal – meistens ist das Nina – freundlich und kompetent beraten. Nina bezeichnet den Shop übrigens als „eine Explosion der Absonderlichkeiten“ und das finde ich sehr treffend.