Alle Beiträge von Michael Wittmann

Der richtige Zeichenkurs

„Ist der Mangakurs richtig für mich? Ich kann ja gar nicht zeichnen!“
„Sollte ich nicht lieber zuerst den Zeichenkurs besuchen, bevor ich den Comickurs mache?“
Ich erhalte diese und ähnliche Fragen über das zeichenkurs.at-Anfrageformular.
Hier meine Antwort:
man braucht für die Manga- und Comicworkshops keine besonderen zeichnerischen Erfahrungen oder Fähigkeiten.
Jeder Mensch, der schreiben gelernt hat, hat damit auch ausreichende Zeichenkenntnisse , um sich in einfachen Bildern auszudrücken. Ich setze kein zeichnerisches Mindestniveau voraus, sondern unterstütze alle TeilnehmerInnen dabei, auf ihrem jeweiligen zeichnerischen Niveau ihre Geschichten zu erzählen und ihre jeweiligen Zeichenfertigkeiten zu verbessern.
Deine zeichnerischen Fähigkeiten sind so wie sie sind, und egal wie dürftig oder fortgeschritten die Fähigkeiten der TeilnehmerInnen sind, alle können in meinen Workshops Comics oder Manga entwickeln und umsetzen, natürlich auf dem jeweiligen zeichnerischen Niveau, wobei mit Sicherheit gewisse Fortschritte auch bei der zeichnerischen Kompetenz erzielt werden.
Vom Anfänger zum Meisterzeichner an einem Wochenende gibt’s aber nicht, schon gar nicht in einem Workshop, dessen Schwerpunkt auf dem Erzählen mit Bildern (Comics, Manga) und nicht auf der Vermittlung zeichnerischer Kompetenzen liegt.
Wenn Du also glaubst, dass Du mit selbst entwickelten Figuren und Geschichten Freude haben kannst, auch wenn sie nicht ganz perfekt gezeichnet sind (bzw. halt mehr oder weniger so, wie Du jetzt zeichnest, mit kleinen Verbesserungen, die Du mit meinen Tipps sicher erzielen kannst), dann ist einer meiner Comic- oder Manga-Workshops richtig für Dich.
Falls Du aber vor allem „ordentlich“ zeichnen lernen willst, würde ich Dir meinen Zeichenkurs empfehlen.

99 Ways to Tell a Story – Exercises in Style

Buchcover Matt Madden 99 Ways to tell a Story
99 Ways to tell a Story
Inspiriert von Raymond Queneaus Stilübungen spielt Autor/Zeichner Matt Madden mit den Gestaltungsmitteln des Comic: Auf jeder Seite wird dieselbe alltägliche banale Sequenz variiert und neu erzählt: Mit anderen erzählerischen Optionen (Rückblende, innerer Monolog, etc.), mit anderen graphischen Ausdrucksmitteln (horizontale Panels, vertikale Panels, nur mit Konturlinien, ohne Konturen, etc.), in verschiedenen Genres (Kriegscomics, Liebescomics, Fantasy, etc.), in unterschiedlichen Stilrichtungen (Manga, ligne clair, Underground, etc.), den Stilen einzelner Künstler nachempfunden (Winsor McCay, Jack Kirby und andere). Nicht alles scheint dabei geglückt. Etwa wenn Sprechblasen als Objekte im Raum behandelt werden, ohne dass das durch die Stilvorgabe erforderlich wäre. Und natürlich ist bei 99 Variationen auch mancher Unfug dabei. Doch wer sich als Leserin oder Leser auf dieses Experiment einläßt, ist gefordert nachzuspüren, wie eine jede stilistische Variation wirkt, wie sie das lesende Bewusstsein beeinflußt. Das ist eine sehr spannende Erfahrung, und wenn man sich selbst mit dem Zeichnen von Comics oder Manga beschäftigt, durchaus instruktiv. Und stellenweise sehr witzig, denn in den Genrevariationen werden die Standards der jeweiligen Richtung bis ins Parodistische getrieben, was mich besonders bei der Fantasyseite und der EC-Comicseite (Exorcise in Style) zum Lachen gebracht hat. Insgesamt bietet 99 Ways to tell a Story – Exercises in Style eine einzigartige Leseerfahrung, die ich allen empfehlen kann, die sich für das Erzählen mit Bildern interessieren.

Karikaturen zeichnen auf der Comicbörse

Am Sonntag den 2. April ist es wieder so weit!
In der MCG-Halle im 3. Wiener Gemeindebezirk findet von 10 bis 16 Uhr die Vienna Comix Market statt! Ich habe dort einen Tisch und werde Karikaturen von Besuchern zeichnen und über meine Zeichenkurse informieren. Zeitweise werde ich die KollegInnen von ASH, Tisch 14 oder Eurocature unterstützen, die ebenfalls mit je einem Tisch dort vertreten sein werden.
Mehr Daten und Infos: www.viennacomix.atkaricomicfilm

Der Mythos vom Talent

Wer zeichnen lernen möchte und beharrlich zeichnet, wird auch Fortschritte machen. Leider sind viele merkwürdige Glaubenssätze über das Zeichnen und andere künstlerische Fertigkeiten weit verbreitet. Da geht es dann um Talent und Begabung, der Geniekult ist nicht fern, und wer kein Talent hat, hat eben Pech gehabt. Tatsächlich ist das Glaubensmuster, das mit dem Begriff „Talent“ assoziiert wird, absolut unproduktiv, wenn es darum geht, eine Fertigkeit wie das Zeichnen zu erlernen. Darum lassen wir in meinen Kursen dieses Konzept aus dem Spiel und ersetzen es durch den Glaubenssatz: Alle Fertigkeiten, die ein Mensch beherrscht, kann jeder andere Mensch lernen. Also: Jeder kann zeichnen lernen! Auf der Grundlage dieses Modells habe ich schon hunderte Kursteilnehmer dabei unterstützt, zeichnen zu lernen, Comics und Cartoons zu entwickeln, Karikaturen zu zeichnen und mehr.
Jeder Mensch in unserem Kulturkreis bringt die Grundvoraussetzungen zum Zeichen mit: Wir können Linien und Kurven zu wieder erkennbaren Zeichen zusammenzusetzen, das haben wir gelernt, als wir schreiben lernten!
Zeichnen ist ein Bündel unterschiedlicher Fähigkeiten, von denen jede trainiert und erlernt werden kann.
Die Annahme „Ich kann nicht zeichnen.“ generalisiert zu Unrecht die Tatsache, dass die komplexeren Fähigkeiten noch nicht ausreichend gefördert worden sind und verkennt andererseits den Umstand, dass grundlegende Fähigkeiten zum Zeichnen immer vorhanden sind.

Ein neuartiger Workshop

von der Skizze zum Cartoon

von der Skizze zum Cartoon

Es war im Frühjahr 2015: Ein Interessent schrieb mich auf Facebook an. Er interessierte sich für einen Zeichenkurs: Gewisse zeichnerische Fähigkeiten sind vorhanden, nun galt es aber, ein konkretes Projekt bestmöglich umzusetzen und dazu brauchte er meine Unterstützung. Und der Kurs sollte nicht länger als ein Wochenende dauern.
Da es ihm nicht darum ging, Geschichten mit Bildern zu erzählen, kamen Comic- und Mangakurs nicht in Frage. Andererseits schien die grafische Klarheit typischer Comic- oder Mangastile erstrebenswert.
Der Zeichenkurs im Sommer wirkte mit fünf Tagen etwas zu lang. Also begann ich, mir ein neues Kursformat auszudenken.
Konkret ging es dem Interessenten um das Design von Verpackungen. Noch im Dialog nahm der Kurs in meinem Kopf Gestalt an und ich wusste, dass der Wochenendworkshop für die Verwirklichung einer Vielzahl von grafischen Projekten geeignet sein würde.
Es geht um Design, Typografie, die Gestaltungsmittel der Zeichnung und darum, wie die Botschaft eines Bildes optimal rüberkommt.
Der neue Workshop „Mein Bild- meine Botschaft“ wird am 1.-3. Juli 2016 zum zweiten Mal stattfinden. Er ist mein Angebot für alle, die ein zeichnerisches Projekt an einem Wochenende entwickeln und verwirklichen wollen. Beim ersten Mal im Jahr 2015 haben KursteilnehmerInnen Weinetiketten entworfen, Illustrationen gezeichnet und Logos designt. Doch der Kurs eignet sich auch für viele andere Aufgaben zeichnerischer Art bupropion hcl xl 150 mg. Wenn Du also Dein eigenes Profilbild für Socia Media entwerfen und zeichnen willst, eine eigene Gruß- und Glückwunschkarte gestaltenn, Illustrationen, Ein-Bild-Cartoons, Ankündigungen, Werbung, Titelbilder etc. machen möchtest, dann ist das der Workshop für Dich. Details und Anmeldemöglichkeit hier.

Aktmalerei bei Stefan Nützel

NützelAnfang Juni habe ich – nach jahrelanger Übung im Aktzeichnen – erstmals einen Wochenendworkshop zur Aktmalerei besucht. Der Workshop wurde von Stefan Nützel geleitet, einem aus Bayreuth stammenden und seit vielen Jahren in Wien lebenden Maler, der vor allem figurative Ölbilder malt und in Wien, München und anderswo unterrichtet.
Vorab war ich gespannt darauf, wie er den Workshop und die vielen Teilaspekte der Aktmalerei strukturieren würde, um für die Teilnehmer ein sinnvolles Ergebnis an einem Wochenende zu ermöglichen. Mit Konzentration aufs Wesentliche ist das sehr gut gelungen: Komposition war nur ein Randthema, Anatomie wurde ausgespart, Farblehre und Farbmischung durch Beschränkung auf drei Grundfarben (plus weiß) minimiert. Dafür leitete Stefan die TeilnehmerInnen dazu an, sich auf Form und Tonwerte zu konzentrieren. In einigen kurzen Posen ging es darum, die Figur vom Hintergrund zu trennen. In den folgenden längeren Posen und nach einer kurzen Lektion im Farbmischen lag der Fokus darauf, die hellen von den dunklen Bereichen zu trennen. Damit war eine Struktur vorgegeben, wie man in relativ kurzer Zeit ein Aktbild anlegen kann. Je nachdem, wie lange das Modell die Pose hält, kann man die verbleibende Zeit zur Feinjustierung der Farben nutzen.
Die Ausstattung des Ateliers mit einem Podest und mehreren justierbaren Lichtquellen und die großartigen Modelle ermöglichten ansprechende Motive. Obwohl ich die meiste Zeit als einziger Teilnehmer in Acryl malte (die anderen TeilnehmerInnen arbeiteten mit Ölfarben), gab Stefan auch Tipps zur Acrylmalerei, die mich in der nächsten Zeit noch sehr beschäftigen werden.
Kurzum: Ich habe viele Anregungen für meine Malerei gewonnen und kann die Aktkurse von Stefan Nützel nur sehr empfehlen. Termine und Anmeldung auf Stefans Website.

Joe Kubert spricht über seine Arbeitsweise

Joe Kubert, einer der einflussreichsten Zeichner in der Geschichte der amerikanischen Comics hat bereits in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts Comics gezeichnet und veröffentlicht und war bis kurz vor seinem Tod am 12. August 2012 aktiv. Seine Arbeiten im Kriegs- und Westerngenre, seine Tarzan-Interpretation und unzählige Covers insbesondere für DC-Comics sind legendär. 1976 gründete er die Joe Kubert School of Cartoon and Graphic Art, wo spätere Profis wie Matt Hollingsworth, Stephen Bissette, Rick Veitch oder Amanda Conner ihr Handwerk lernten. Kuberts Zeichenbuch Superheroes – Joe Kuberts wonderful world of Comics zählt zu den besten Referenzen für das Superheldengenre.

In diesem kurzen Youtube-Interview erklärt Joe Kubert seinen Arbeitsprozess.

Er betont, dass es die wichtigste Aufgabe des Cartoonisten ist, eine Geschichte zu erzählen: Wer die schönsten Bilder zeichnet, die aber die Geschichte nicht voranbringen, hat seine Aufgabe verfehlt. In seinem Arbeitsprozess konzentriert sich Kubert zunächst auf die Geschichte und schreibt sie nieder, erst dann beginnt er die Seiten zu skizzieren, wobei jedes Bild einen Storypunkt rüberbringen muss: Ein Bild-eine Handlung. In der Layout-Phase arrangiert er die Bilder oftmals um, um der Geschichte den Raum zu geben, den sie braucht. Das Lettering ist ein wesentlicher Teil der Komposition. Daher gehört es zu den Aufgaben des Zeichners, zu bestimmen, wo die Texte hinkommen, auch wenn er sie nicht mehr händisch hineinschreibt sondern digital einfügt.
Auf Youtube und anderswo im Netz kann man weitere Videos mit Kubert finden. Ich finde es schön, dass uns damit neben der gigantischen Hinterlassenschaft an wunderbaren Comics auch persönliche Aussagen dieses großen Comic-Künstlers erhalten bleiben.

Comics sind Kunst!

Zu Beginn des Internationalen Literaturfestivals Berlin haben zahlreiche Künstler, Verleger und Kulturveranstalter am Montag ein Comic-Manifest veröffentlicht. Darin fordern sie, dass das Comic-Medium als eingenständige, der Literatur und dem Film gleichwertige Kunstform anerkannt wird, Comicschaffende dementsprechend staatlich gefördert werden und ein Deutsches Comicinstitut eingerichtet wird. Das Börsenblatt und der Tagesspiegel berichteten darüber. Hier der Originaltext des Manifests: ilb13.ComicManifest
Dass dieses Manifest überhaupt nötig ist, weist auf das ungeheure Versagen der Kulturpolitik hin, die nach wie vor zwischen „guten“ (=förderungswürdigen) und „schlechten“ Kuunstformen unterscheidet.

Skull Party 1 von Melanie Schober

<img src="http://zeichenkurs.at/wp-content/uploads/2013/08/skullparty1-209×300.png" alt="Titelbild von Skull Party 1" title="skull party 1" width="209" height="300" class="size-medium wp-image-433" srcset="http://zeichenkurs visit the site.at/wp-content/uploads/2013/08/skullparty1-209×300.png 209w, http://zeichenkurs.at/wp-content/uploads/2013/08/skullparty1.png 418w“ sizes=“(max-width: 209px) 100vw, 209px“ />

Cover ©2013 by Carlsen Verlag/ Melanie Schober

Die österreichische Mangazeichnerin Melanie Schober zeichnet in ihrem neusten Werk Skull Party das düstere Bild einer nahen Zukunft: Die Gier vorangegangener Generationen hat den Planeten zerstört, die Umwelt ist verpestet, die Polkappen abgeschmolzen und in den überfluteten Städten herrscht eine Oligarchie, die kein abweichendes Verhalten duldet und die Bürger mit Drogen und leichter Unterhaltung ruhigstellt.
Aus diesem Leben im dumpfen Gleichklang will der Teenager Emil Schwarz ausbrechen, er bleibt dem Erziehungsinstitut fern, und wird bald von Killern gejagt, als er auf ein Geheimnis stößt, das den Bestand der Diktatur gefährden könnte.
In Skull Party 1 beginnt eine Geschichte, die für ein etwas älteres Publikum bestimmt ist als der Großteil der in Deutschland publizierten Manga. Es ist ein Thriller, der sich an ältere Jugendliche und Erwachsene richtet und den Vergleich mit anderen „erwachsenen“ Manga-Thrillern wie Osamu Tezukas Kirihito oder Urasawa Naokis Monster nicht scheuen muss. Auch das Erscheinungsbild des Bandes setzt sich klar von üblichen Mangaproduktionen ab: Das Titelbild ist auf den ersten Blick nicht als Mangatitelbild erkennbar, könnte ebenso gut für einen Kriminal- oder Horrorroman bestimmt sein. Und anders als die meisten Manga ist Skull Party in westlicher Leserichtung gezeichnet, was mit der Leserichtung der deutschen Sprache in den Textblöcken übereinstimmt und den Lesegewohnheiten eines etwas älteren Publikums entgegenkommt.
Die Geschichte hat mich geradezu reingesogen, da sich die Erzählung ganz auf die Hauptfigur konzentriert – mit wenigen Ausnahmen erleben wir die ganze Handlung aus der Sicht von Emil Schwarz. Er und auch die Nebenfiguren werden sehr fein durch ihre Handlungen und Aussagen charakterisiert, so dass man gleich ein Gefühl für sie bekommt, als würde man sie ewig kennen. Zudem geht die Prämisse dieser Zukunftswelt von Tendenzen aus, die in unserer Gegenwart zu beobachten sind, vor allem dass Außenseitertum als Krankheit definiert und folglich pharmakologisch behandelt wird (man denke nur an den jährlich steigenden Ritalinverbrauch). Man hat als Leser das Gefühl, wenn wir es nicht bald auf die Reihe kriegen, könnte die nahe Zukunft tatsächlich so ähnlich aussehen, und kaum hat man diese Zukunftswelt als glaubhaft akzeptiert, nimmt man auch mutierte Insekten und Zombiehorror mit, da die phantastischen Elemente so raffiniert in die wahrscheinlichen eingebettet sind.
Hier beginnt ein spannender Thriller, und niemand legt einen spannenden Thriller nach dem ersten Viertel gern aus der Hand, aber die Leser müssen das jetzt mal die nächsten Monate tun, denn der zweite Band soll im Dezember erscheinen und die ganze (erste) Geschichte ist auf vier Bände angelegt. Da bleibt am Ende des ersten Bandes einiges offen, zumal die Handlung an einem Spannungshöhepunkt abbricht, und man ist gespannt, wie sich das weiter entfalten soll, was es mit den geheimnisvollen Kristallschädeln und einer mysteriösen Gestalt mit Vogelmaske auf sich hat, die in Emils Träumen erscheint. Fazit: Anspruchsvolle Manga-Unterhaltung mit Tiefgang und Spannung pur.

Gigi, Forest und Steranko zeichnen ein Gemeinschaftsbild


Robert Gigi, Zeichner von Scarlet Dream, Jean-Claude Forest, der Schöpfer, Autor und Zeichner von Barbarella und der Amerikaner Jim Steranko (Nick Fury, Captain America) – Anfang der 70er Jahre im französischen Fernsehen. Zusammen zeichnen sie auf einem großen Papier – es entsteht ein seltsames, phantastisches Bild. Die Handschrift jedes einzelnen Künstlers bleibt klar erkennbar, trotzdem bildet sich ein harmonisches Ganzes. Es erinnert mich an das surrealistische Verfahren Cadavre Exquis. Schade, dass sich dieses Sendungsformat nicht durchgesetzt hat!