Aktmalerei bei Stefan Nützel

NützelAnfang Juni habe ich – nach jahrelanger Übung im Aktzeichnen – erstmals einen Wochenendworkshop zur Aktmalerei besucht. Der Workshop wurde von Stefan Nützel geleitet, einem aus Bayreuth stammenden und seit vielen Jahren in Wien lebenden Maler, der vor allem figurative Ölbilder malt und in Wien, München und anderswo unterrichtet.
Vorab war ich gespannt darauf, wie er den Workshop und die vielen Teilaspekte der Aktmalerei strukturieren würde, um für die Teilnehmer ein sinnvolles Ergebnis an einem Wochenende zu ermöglichen. Mit Konzentration aufs Wesentliche ist das sehr gut gelungen: Komposition war nur ein Randthema, Anatomie wurde ausgespart, Farblehre und Farbmischung durch Beschränkung auf drei Grundfarben (plus weiß) minimiert. Dafür leitete Stefan die TeilnehmerInnen dazu an, sich auf Form und Tonwerte zu konzentrieren. In einigen kurzen Posen ging es darum, die Figur vom Hintergrund zu trennen. In den folgenden längeren Posen und nach einer kurzen Lektion im Farbmischen lag der Fokus darauf, die hellen von den dunklen Bereichen zu trennen. Damit war eine Struktur vorgegeben, wie man in relativ kurzer Zeit ein Aktbild anlegen kann. Je nachdem, wie lange das Modell die Pose hält, kann man die verbleibende Zeit zur Feinjustierung der Farben nutzen.
Die Ausstattung des Ateliers mit einem Podest und mehreren justierbaren Lichtquellen und die großartigen Modelle ermöglichten ansprechende Motive. Obwohl ich die meiste Zeit als einziger Teilnehmer in Acryl malte (die anderen TeilnehmerInnen arbeiteten mit Ölfarben), gab Stefan auch Tipps zur Acrylmalerei, die mich in der nächsten Zeit noch sehr beschäftigen werden.
Kurzum: Ich habe viele Anregungen für meine Malerei gewonnen und kann die Aktkurse von Stefan Nützel nur sehr empfehlen. Termine und Anmeldung auf Stefans Website.

Workshop on demand

von der Skizze zum Cartoon

von der Skizze zum Cartoon

Der Interessent schrieb mich auf Facebook an. Er interessierte sich für einen Zeichenkurs: Gewisse zeichnerische Fähigkeiten sind vorhanden, nun galt es aber, ein konkretes Projekt bestmöglich umzusetzen und dazu brauchte er meine Unterstützung. Und der Kurs sollte nicht länger als ein Wochenende dauern.
Da es ihm nicht darum ging, Geschichten mit Bildern zu erzählen, kamen Comic- und Mangakurs nicht in Frage. Andererseits schien die grafische Klarheit typischer Comic- oder Mangastile erstrebenswert.
Der Zeichenkurs im Sommer wirkte mit fünf Tagen etwas zu lang. Also begann ich, mir ein neues Kursformat auszudenken.
Konkret ging es dem Interessenten um das Design von Verpackungen. Noch im Dialog nahm der Kurs in meinem Kopf Gestalt an und ich wusste, dass der Wochenendworkshop für die Verwirklichung einer Vielzahl von grafischen Projekten geeignet sein würde.
Es geht um Design, Typografie, die Gestaltungsmittel der Zeichnung und darum, wie die Botschaft eines Bildes optimal rüberkommt.
Der neue Workshop „Mein Bild- meine Botschaft“ wird am 3.-5. Juli zum ersten Mal stattfinden. Er ist mein Angebot für alle, die ein zeichnerisches Projekt an einem Wochenende entwickeln und verwirklichen wollen. Wenn Du also Dein eigenes Profilbild für Socia Media entwerfen und zeichnen willst, eine eigene Gruß- und Glückwunschkarte gestaltenn, Illustrationen, Ein-Bild-Cartoons, Ankündigungen, Werbung, Titelbilder etc. machen möchtest, dann ist das der Workshop für Dich. Details und Anmeldemöglichkeit hier.

99 Ways to Tell a Story – Exercises in Style

Buchcover Matt Madden 99 Ways to tell a Story

99 Ways to tell a Story

Inspiriert von Raymond Queneaus Stilübungen spielt Autor/Zeichner Matt Madden mit den Gestaltungsmitteln des Comic: Auf jeder Seite wird dieselbe alltägliche banale Sequenz variiert und neu erzählt: Mit anderen erzählerischen Optionen (Rückblende, innerer Monolog, etc.), mit anderen graphischen Ausdrucksmitteln (horizontale Panels, vertikale Panels, nur mit Konturlinien, ohne Konturen, etc.), in verschiedenen Genres (Kriegscomics, Liebescomics, Fantasy, etc.), in unterschiedlichen Stilrichtungen (Manga, ligne clair, Underground, etc.), den Stilen einzelner Künstler nachempfunden (Winsor McCay, Jack Kirby und andere). Nicht alles scheint dabei geglückt. Etwa wenn Sprechblasen als Objekte im Raum behandelt werden, ohne dass das durch die Stilvorgabe erforderlich wäre. Und natürlich ist bei 99 Variationen auch mancher Unfug dabei. Doch wer sich als Leserin oder Leser auf dieses Experiment einläßt, ist gefordert nachzuspüren, wie eine jede stilistische Variation wirkt, wie sie das lesende Bewusstsein beeinflußt. Das ist eine sehr spannende Erfahrung, und wenn man sich selbst mit dem Zeichnen von Comics oder Manga beschäftigt, durchaus instruktiv. Und stellenweise sehr witzig, denn in den Genrevariationen werden die Standards der jeweiligen Richtung bis ins Parodistische getrieben, was mich besonders bei der Fantasyseite und der EC-Comicseite (Exorcise in Style) zum Lachen gebracht hat. Insgesamt bietet 99 Ways to tell a Story – Exercises in Style eine einzigartige Leseerfahrung, die ich allen empfehlen kann, die sich für das Erzählen mit Bildern interessieren.

Der richtige Zeichenkurs

„Ist der Mangakurs richtig für mich? Ich kann ja gar nicht zeichnen!“
„Sollte ich nicht lieber zuerst den Zeichenkurs besuchen, bevor ich den Comickurs mache?“
Ich erhalte diese und ähnliche Fragen über das zeichenkurs.at-Anfrageformular.
Hier meine Antwort:
man braucht für die Manga- und Comicworkshops keine besonderen zeichnerischen Erfahrungen oder Fähigkeiten.
Jeder Mensch, der schreiben gelernt hat, hat damit auch ausreichende Zeichenkenntnisse , um sich in einfachen Bildern auszudrücken. Ich setze kein zeichnerisches Mindestniveau voraus, sondern unterstütze alle TeilnehmerInnen dabei, auf ihrem jeweiligen zeichnerischen Niveau ihre Geschichten zu erzählen und ihre jeweiligen Zeichenfertigkeiten zu verbessern.
Deine zeichnerischen Fähigkeiten sind so wie sie sind, und egal wie dürftig oder fortgeschritten die Fähigkeiten der TeilnehmerInnen sind, alle können in meinen Workshops Comics oder Manga entwickeln und umsetzen, natürlich auf dem jeweiligen zeichnerischen Niveau, wobei mit Sicherheit gewisse Fortschritte auch bei der zeichnerischen Kompetenz erzielt werden.
Vom Anfänger zum Meisterzeichner an einem Wochenende gibt’s aber nicht, schon gar nicht in einem Workshop, dessen Schwerpunkt auf dem Erzählen mit Bildern (Comics, Manga) und nicht auf der Vermittlung zeichnerischer Kompetenzen liegt.
Wenn Du also glaubst, dass Du mit selbst entwickelten Figuren und Geschichten Freude haben kannst, auch wenn sie nicht ganz perfekt gezeichnet sind (bzw. halt mehr oder weniger so, wie Du jetzt zeichnest, mit kleinen Verbesserungen, die Du mit meinen Tipps sicher erzielen kannst), dann ist einer meiner Comic- oder Manga-Workshops richtig für Dich.
Falls Du aber vor allem „ordentlich“ zeichnen lernen willst, würde ich Dir meinen Zeichenkurs empfehlen.

Der Mythos vom Talent

Wer zeichnen lernen möchte und beharrlich zeichnet, wird auch Fortschritte machen. Leider sind viele merkwürdige Glaubenssätze über das Zeichnen und andere künstlerische Fertigkeiten weit verbreitet. Da geht es dann um Talent und Begabung, der Geniekult ist nicht fern, und wer kein Talent hat, hat eben Pech gehabt. Tatsächlich ist das Glaubensmuster, das mit dem Begriff „Talent“ assoziiert wird, absolut unproduktiv, wenn es darum geht, eine Fertigkeit wie das Zeichnen zu erlernen. Darum lassen wir in meinen Kursen dieses Konzept aus dem Spiel und ersetzen es durch den Glaubenssatz: Alle Fertigkeiten, die ein Mensch beherrscht, kann jeder andere Mensch lernen. Also: Jeder kann zeichnen lernen! Auf der Grundlage dieses Modells habe ich schon hunderte Kursteilnehmer dabei unterstützt, zeichnen zu lernen, Comics und Cartoons zu entwickeln, Karikaturen zu zeichnen und mehr.
Jeder Mensch in unserem Kulturkreis bringt die Grundvoraussetzungen zum Zeichen mit: Wir können Linien und Kurven zu wieder erkennbaren Zeichen zusammenzusetzen, das haben wir gelernt, als wir schreiben lernten!
Zeichnen ist ein Bündel unterschiedlicher Fähigkeiten, von denen jede trainiert und erlernt werden kann.
Die Annahme „Ich kann nicht zeichnen.“ generalisiert zu Unrecht die Tatsache, dass die komplexeren Fähigkeiten noch nicht ausreichend gefördert worden sind und verkennt andererseits den Umstand, dass grundlegende Fähigkeiten zum Zeichnen immer vorhanden sind.

Joe Kubert spricht über seine Arbeitsweise

Joe Kubert, einer der einflussreichsten Zeichner in der Geschichte der amerikanischen Comics hat bereits in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts Comics gezeichnet und veröffentlicht und war bis kurz vor seinem Tod am 12. August 2012 aktiv. Seine Arbeiten im Kriegs- und Westerngenre, seine Tarzan-Interpretation und unzählige Covers insbesondere für DC-Comics sind legendär. 1976 gründete er die Joe Kubert School of Cartoon and Graphic Art, wo spätere Profis wie Matt Hollingsworth, Stephen Bissette, Rick Veitch oder Amanda Conner ihr Handwerk lernten. Kuberts Zeichenbuch Superheroes – Joe Kuberts wonderful world of Comics zählt zu den besten Referenzen für das Superheldengenre.

eine Doppelseite

Joe Kubert's Tor


In diesem kurzen Youtube-Interview erklärt Joe Kubert seinen Arbeitsprozess.

Er betont, dass es die wichtigste Aufgabe des Cartoonisten ist, eine Geschichte zu erzählen: Wer die schönsten Bilder zeichnet, die aber die Geschichte nicht voranbringen, hat seine Aufgabe verfehlt. In seinem Arbeitsprozess konzentriert sich Kubert zunächst auf die Geschichte und schreibt sie nieder, erst dann beginnt er die Seiten zu skizzieren, wobei jedes Bild einen Storypunkt rüberbringen muss: Ein Bild-eine Handlung. In der Layout-Phase arrangiert er die Bilder oftmals um, um der Geschichte den Raum zu geben, den sie braucht. Das Lettering ist ein wesentlicher Teil der Komposition. Daher gehört es zu den Aufgaben des Zeichners, zu bestimmen, wo die Texte hinkommen, auch wenn er sie nicht mehr händisch hineinschreibt sondern digital einfügt.
Auf Youtube und anderswo im Netz kann man weitere Videos mit Kubert finden. Ich finde es schön, dass uns damit neben der gigantischen Hinterlassenschaft an wunderbaren Comics auch persönliche Aussagen dieses großen Comic-Künstlers erhalten bleiben.

4 Methoden, wie Du Deine Zeichnungen kontinuierlich verbessern kannst

Niemand macht auf Anhieb fehlerfreie Zeichnungen, man braucht immer die Möglichkeit zur Korrektur. Natürlich kann man radieren, das hat aber den Nachteil, dass Graphitspuren bleiben und das Papier darunter leidet. Viel besser ist es mit einer der folgenden Methoden eine neue verbesserte Zeichnung auf einem neuen Blatt zu machen.
1. einfach ein neues Blatt Papier darüberlegen und die richtigen Linien auf das neue Blatt übertragen, die falschen korrigieren. Das funktioniert dann, wenn das Papier ausreichend transparent ist. Die meisten Kopierpapiere mit 80 g/m² sind dafür ausreichend durchsichtig, sofern sie nicht glanzbeschichtet sind. Die professionellere Variante dieser Methode: man nimmt Transparentpapier.
2. der Leuchttisch: ob groß oder klein, ob gekauft oder selbstgebastelt, jeder Leuchttisch funktioniert nach demselben Prinzip: Die Zeichnung und das neue Blatt liegen auf einer Glasplatte, die von hinten beleuchtet wird. So wird die Zeichnung auf dem neuen Papier sichtbar und kann durchgezeichnet werden, wobei man natürlich die offensichtlichen Fehler korrigieren kann.
3. das Projektionsgerät: diese optische Vorrichtung ist meist an einem höhenverstellbaren Galgen aufgehängt, mit dem man den Grad der Vergrößerung bestimmen kann. Zusätzlich zur Korrektur hat diese Methode auch noch den Vorteil, dass man seine Zeichnung dabei vergrößern kann. Diese Projektoren findet man im Künstlerbedarfshandel, außerdem gibt es Digitalprojektoren, die allerdings voraussetzen, dass die Vorlage zunächst eingescannt wird.
4. Ebenentechnik in dem Bildbearbeitungsprogramm Deiner Wahl (bei digitaler Arbeit)
Kennst Du weitere Methoden, wie man Zeichnungen überarbeiten kann ohne zu radieren? Dann beschreib sie doch unten im Kommentarbereich!

Comics sind Kunst!

Zu Beginn des Internationalen Literaturfestivals Berlin haben zahlreiche Künstler, Verleger und Kulturveranstalter am Montag ein Comic-Manifest veröffentlicht. Darin fordern sie, dass das Comic-Medium als eingenständige, der Literatur und dem Film gleichwertige Kunstform anerkannt wird, Comicschaffende dementsprechend staatlich gefördert werden und ein Deutsches Comicinstitut eingerichtet wird. Das Börsenblatt und der Tagesspiegel berichteten darüber. Hier der Originaltext des Manifests: ilb13.ComicManifest
Dass dieses Manifest überhaupt nötig ist, weist auf das ungeheure Versagen der Kulturpolitik hin, die nach wie vor zwischen „guten“ (=förderungswürdigen) und „schlechten“ Kuunstformen unterscheidet.

Twittern mit Steranko

ein Tweetwechsel zwischen Jim Steranko und mir

Steranko über Surrealismus auf Twitter


Seit meiner Jugend liebe ich das Comicwerk von Jim Steranko. Seine Comichefte aus den Serien Nick Fury, Captain America und X-Men haben neue Maßstäbe gesetzt, seine späteren Arbeiten Chandler, Outland und seine Superman-Geschichte in Superman 400 haben die Möglichkeiten des Comicmediums ausgereizt und zur Entwicklung dessen beigetragen, was wir heute Graphic Novel nennen. Mir sind schon immer die surrealistischen Einflüsse in seinem Werk aufgefallen, vor allem die Bildsprache des SF-Titelbildmalers Richard Powers und Elemente aus der von Salvador Dali gestalteten Traumsequenz in Alfred Hitchcock’s Spellbound waren für mich in Sterankos Arbeiten immer wieder sichtbar. Nun konnte ich Steranko auf Twitter dazu befragen. Ist das Internet nicht wunderbar?